
Blockchain für CO2-Transparenz in Lieferketten
- Johannes Humbert

- vor 2 Tagen
- 13 Min. Lesezeit
CO2-Emissionen in Lieferketten sind ein zentrales Problem für Unternehmen. Rund 80 % der Emissionen eines Produkts entstehen in der Lieferkette. Blockchain-Technologie bietet eine Lösung: Sie ermöglicht eine manipulationssichere, transparente Erfassung von Emissionsdaten – von der Rohstoffgewinnung bis zum Endprodukt.
Warum Blockchain für CO2-Transparenz?
Nachhaltigkeit und Regulierungen: Unternehmen müssen Scope 1, 2 und 3 Emissionen offenlegen (z. B. durch CSRD, CSDDD).
Herausforderungen bisheriger Systeme: Manuelle Prozesse, fehleranfällige Daten und fehlende Standards erschweren die Nachverfolgung.
Lösung durch Blockchain: Dezentrale Speicherung, IoT-Sensoren und Smart Contracts schaffen eine verlässliche Datenbasis.
So funktioniert es:
IoT-Sensoren erfassen Emissionsdaten direkt an der Quelle.
Daten werden in digitale Tokens umgewandelt und auf der Blockchain gespeichert.
Smart Contracts automatisieren Compliance- und Verifizierungsprozesse.
Vorteile:
Fälschungssichere Daten: Keine Manipulation möglich.
Automatisierung: Weniger Aufwand durch Smart Contracts.
Transparenz: Detaillierte Nachverfolgung bis auf Produktebene.
Blockchain bietet Unternehmen die Möglichkeit, Emissionen präzise zu messen, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.
CO2-Emissionen in Lieferketten
Scope 1, Scope 2 und Scope 3 Emissionen
Die Begriffe Scope 1, 2 und 3 helfen dabei, Emissionen in verschiedene Kategorien zu unterteilen: direkte, indirekte und weiter indirekte Emissionen. Scope 1 umfasst alles, was direkt vom Unternehmen verursacht wird – etwa durch Produktionsanlagen, Firmenfahrzeuge oder eigene Energieerzeugung. Scope 2 bezieht sich auf Emissionen, die durch den Verbrauch eingekaufter Energie entstehen, wie Strom, Heizung oder Kühlung.
Scope 3 geht noch weiter und deckt alle anderen indirekten Emissionen ab, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen. Dazu gehören vorgelagerte Prozesse wie der Einkauf von Rohstoffen und Transport sowie nachgelagerte Aspekte wie die Nutzung und Entsorgung von Produkten. Diese Kategorie ist besonders relevant, da sie im Durchschnitt 84 % des gesamten CO2-Fußabdrucks eines Unternehmens ausmacht.
„Scope 3 emissions represent, on average, 84% of a firm's total carbon emission footprint." – Matthews et al.
In vielen Branchen machen Scope 3 Emissionen sogar mehr als 75 % der Gesamtemissionen aus. Das zeigt, wie wichtig es ist, diese Emissionen genau zu erfassen. Nur so können Unternehmen gezielt Maßnahmen ergreifen, wie etwa den Wechsel zu umweltfreundlicheren Lieferanten. Zwischen 1995 und 2015 stiegen Scope 1 Emissionen um 47 %, während Scope 3 Emissionen um 84 % zulegten – ein klarer Beleg für die zunehmende Bedeutung von Transparenz in Lieferketten. Diese Differenzierung ist heute die Grundlage für viele regulatorische Anforderungen.
Regulatorische Anforderungen und Berichtsstandards
Die präzise Erfassung und Offenlegung von Emissionen wird durch aktuelle Regulierungen immer wichtiger. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet Unternehmen, ihre Scope 1, 2 und 3 Emissionen offenzulegen. Der Standard ESRS E1 verlangt zusätzlich die Veröffentlichung eines Corporate Carbon Footprint sowie die Identifikation von Emissionsschwerpunkten. Ursprünglich sollten etwa 50.000 Unternehmen in Europa betroffen sein. Durch das „Omnibus"-Paket von Februar 2025 wurde die Schwelle jedoch auf 1.000 Mitarbeiter angehoben, wodurch 80 % der ursprünglich betroffenen Unternehmen ausgenommen werden.
Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) fordert Unternehmen dazu auf, Umweltauswirkungen entlang ihrer Lieferketten zu minimieren. Ab September 2025 tritt der EU Data Act in Kraft, der Nutzern vernetzter Produkte das Recht einräumt, generierte Daten einzusehen und zu teilen – ein wichtiger Schritt für die Erfassung primärer Emissionsdaten.
Zusätzlich führt der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) Kosten für CO2-intensive Importe ein, während das EU ETS 2 ab 2028 weitere Sektoren wie Gebäude und Straßenverkehr erfasst. Diese Regulierungen zwingen Unternehmen dazu, von allgemeinen Branchendurchschnitten auf konkrete Lieferantendaten umzustellen. Große Unternehmen fordern solche detaillierten Informationen zunehmend von ihren kleineren Zulieferern.
Einschränkungen konventioneller Methoden zur Emissionserfassung
Die neuen regulatorischen Anforderungen machen deutlich, wo herkömmliche Methoden zur Emissionserfassung an ihre Grenzen stoßen. Viele Unternehmen setzen noch auf „Spend-based"-Methoden: Hierbei werden finanzielle Ausgaben mit durchschnittlichen Emissionsfaktoren der Branche multipliziert. Das Problem? Diese Durchschnittswerte bieten keinen Anreiz für Lieferanten, sauberer als der Branchendurchschnitt zu produzieren.
„The problem of using industry averages is that they may lead to insufficient incentives for firms to adopt cleaner-than-average technologies." – npj Climate Action
Manuelle Prozesse sind ebenfalls problematisch: Sie sind fehleranfällig, zeitaufwendig und teuer. Ein Pilotprojekt von Walmart und IBM Food Trust zeigt, wie ineffizient traditionelle Systeme sein können. Während die Rückverfolgung von Mangos mit herkömmlichen Methoden 7 Tage dauerte, benötigte die Blockchain-Technologie dafür nur 2,2 Sekunden. Zentralisierte Datenbanken führen oft zu Engpässen, und regelmäßige Audits sind ressourcenintensiv. Zudem besteht bei konventionellen Methoden das Risiko von „Double-Counting", also der mehrfachen Anrechnung derselben CO2-Kompensation.
70 % der Unternehmen nennen „fehlende Lieferantendaten" als größte Herausforderung bei der Scope 3 Messung. 53 % bemängeln das Fehlen einheitlicher Standards. Tatsächlich verfügen nur etwa 17 % der deutschen Unternehmen über Daten zu den Emissionen ihrer direkten Lieferanten. Diese Lücken verdeutlichen, warum neue Technologien wie Blockchain für die Emissionserfassung immer wichtiger werden.
Wie Blockchain CO2-Transparenz ermöglicht
Der Blockchain-Prozess für Emissionserfassung
Die Blockchain bietet eine klare Lösung für die Herausforderungen bei der Emissionsüberwachung, indem sie ein fälschungssicheres System zur Datenerfassung bereitstellt. Der Prozess startet mit IoT-Sensoren, die Emissionsdaten direkt an der Quelle – etwa in Produktionsstätten oder Biogasanlagen – automatisch erfassen. Diese Rohdaten werden in digitale Tokens umgewandelt und in einem dezentralen Ledger gespeichert. Einmal eingetragen, bleiben die Daten unveränderlich, und alle Änderungen werden transparent dokumentiert.
Ein anschauliches Beispiel ist das CarbonBlock-Projekt von CircularTree GmbH aus dem Jahr 2020. Im Rahmen der STARTUP AUTOBAHN Expo 8 kooperierten BASF, Motherson und Porsche: BASF lieferte den CO2-Fußabdruck für Granulat, Motherson berechnete die Emissionen eines Stoßfängers unter Einbeziehung dieser Daten, und Porsche nutzte die Ergebnisse für den Gesamt-Fußabdruck des Taycan. Mit Hyperledger Fabric wurde gezeigt, wie sich Produktfußabdrücke über mehrere Stufen der Lieferkette hinweg verfolgen lassen – ein wichtiger Schritt für regulatorische Anforderungen und Skalierbarkeit.
„Blockchain technology provides an effective solution to many of these challenges because of its decentralized and tamper-proof data management systems, which enhance the accuracy, transparency, and reliability of ESG reporting." – Eid M Alotaibi et al., Sustainability Journal
Rolle von IoT, KI und Smart Contracts
IoT, KI und Smart Contracts arbeiten Hand in Hand, um Emissionsdaten effizient zu erfassen und zu verwalten.
IoT-Sensoren sammeln Daten in Echtzeit direkt an der Quelle. Das minimiert Fehler durch manuelle Eingaben und liefert einen „Proof of Origin“ für CO2-Daten.
Künstliche Intelligenz (KI) überprüft die Daten auf Konsistenz, erkennt Abweichungen und unterstützt durch detaillierte Analysen das Management von CO2-Fußabdrücken.
Smart Contracts kommen ins Spiel, wenn definierte Bedingungen erfüllt sind. Sie automatisieren Compliance-Meldungen, reduzieren Betrug und senken Verwaltungsaufwand sowie Kosten.
Zusammen schaffen diese Technologien ein leistungsstarkes System, das durch moderne Cloud-Lösungen weiter ergänzt werden kann.
Technologie | Rolle in der CO2-Transparenz | Hauptvorteil |
IoT-Sensoren | Automatische Datenerfassung | Vermeidet manuelle Fehler |
KI / Machine Learning | Datenvalidierung und Analysen | Steigert Zuverlässigkeit und Präzision |
Smart Contracts | Automatisierte Prozesse | Reduziert Kosten und Verwaltungsaufwand |
Zero-Knowledge Proofs | Verifizierung ohne Datenpreisgabe | Schützt sensible Geschäftsinformationen |
Skalierbarkeit über Cloud-Plattformen
Für umfangreiche Lieferketten ist die Skalierbarkeit ein zentraler Faktor. Cloud-Infrastrukturen erlauben es, Blockchain-Systeme flexibel zu erweitern, ohne dass Unternehmen in teure Hardware investieren müssen. Mit Edge Computing können Blockchain-Knoten direkt an der Quelle betrieben werden. Das sorgt für schnellere Verarbeitung, niedrigere Datenübertragungskosten und eine bessere Performance in komplexen Lieferketten.
Zeitgemäße Konsens-Mechanismen wie Proof of Authority (PoA) oder Proof of Stake (PoS) gewährleisten zudem ein energieeffizientes Tracking, im Gegensatz zu ressourcenintensivem Proof-of-Work. Modulare Plattformen ermöglichen die nahtlose Integration bestehender ERP-Systeme, wodurch Zulieferer und Drittanbieter leichter angebunden werden können. So entsteht ein flexibles und interoperables Netzwerk, das die präzise CO2-Erfassung entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützt.
Vorteile und Anwendungsfälle von Blockchain in der CO2-Transparenz
Zentrale Vorteile der Blockchain-basierten CO2-Erfassung
Die Blockchain-Technologie bietet eine sichere und manipulationsresistente Speicherung von Emissionsdaten. Das schützt effektiv vor Greenwashing und Datenmanipulation. Mithilfe von Smart Contracts können Verifizierungsprozesse automatisiert werden, wodurch manuelle Audits entfallen und Unternehmen Zeit sowie Verwaltungskosten sparen. Ein weiterer Pluspunkt: Die Technologie ermöglicht eine detaillierte Transparenz bis hin zur Produktinstanzebene, sodass der Product Carbon Footprint (PCF) für jedes Produkt präzise erfasst werden kann.
Zero-Knowledge Proofs bieten die Möglichkeit, CO2-Bilanzen nachzuweisen, ohne dabei sensible Geschäftsdaten offenzulegen. Durch die Integration von IoT-Geräten und Digital Twins wird eine Echtzeitüberwachung der Emissionsdaten möglich. Zudem schafft Blockchain einen einheitlichen und kompatiblen Rahmen, der die derzeitige Fragmentierung bei ESG-Berichtsstandards überwindet. Diese Vorteile machen die Technologie in zahlreichen Branchen anwendbar.
Anwendungen in verschiedenen Branchen
In der Automobilindustrie ermöglicht die Blockchain die Aggregation von Emissionsdaten entlang der gesamten Lieferkette – von Rohstofflieferanten über Komponentenhersteller bis hin zu den OEMs. Ein Beispiel aus der Lebensmittelbranche: Walmart nutzt seit 2018 Blockchain, um die Rückverfolgung von Blattgemüse zu optimieren. Die Herkunft eines Produkts kann so in 2 Sekunden ermittelt werden, im Vergleich zu den 7 Tagen, die herkömmliche Methoden benötigen.
Im Pharmasektor setzt SkyCell Blockchain und IoT-Sensoren ein, um die Kühlkette zu überwachen. Ein beeindruckendes Beispiel: Beim Transport von Brüssel nach Mumbai blieb die Innentemperatur konstant zwischen 3 °C und 13 °C, obwohl die Außentemperaturen zwischen 5 °C und 44 °C schwankten.
Ein weiteres Beispiel liefert Unilever mit einem Pilotprojekt in Indonesien. Dort wurde Blockchain genutzt, um die Rückverfolgung von Palmöl zu ermöglichen. Mithilfe digitaler Tokens konnte sichergestellt werden, dass Rohstoffe aus entwaldungsfreien Gebieten stammen – ein entscheidender Schritt bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele für 2023. Im Energiesektor automatisieren Plattformen wie „CarbonEdge“ die Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung (MRV) von Treibhausgasemissionen in Biogasanlagen durch Konsortium-Blockchains.
„On average 80% of the product's carbon footprint comes through the supply chain." – Gunther Walden, CEO und Co-Founder, CircularTree GmbH
Der Vergleich mit traditionellen Methoden zeigt, wie Blockchain hier einen echten Unterschied machen kann.
Vergleich traditioneller vs. Blockchain-Ansätze
Merkmal | Traditionelle Methoden | Blockchain-basierte Erfassung |
Datengenauigkeit | Manuelle Eingaben, Durchschnittswerte | Echtzeitdaten via IoT, unveränderlich |
Prozesseffizienz | Periodische Audits, hoher Aufwand | Automatisierte Verifizierung |
Transparenz | Isolierte Datensilos | Peer-to-Peer über alle Lieferkettenebenen |
Betrugsrisiko | Hoch, Manipulation möglich | Niedrig, fälschungssicher |
Skalierbarkeit | Schwierig bei globalen Netzwerken | Cloud-Plattformen und IoT-Integration |
Die Einführung von Kreislaufwirtschaftsstrategien durch Digital Product Passports (DPP) birgt enormes Potenzial. Unternehmen könnten bis zu 80–90 % der Rohstoffe einsparen und Produktpreise um 25–30 % senken. Ab 2027 wird es in der EU verpflichtend sein, dass alle Automobil- und Industriebatterien einen Digital Product Passport mit CO2-Fußabdruckdaten enthalten.
Schritte zur Implementierung von Blockchain für CO2-Transparenz
Schritt 1: Bedarfsanalyse und Pilotprojekt starten
Beginnen Sie mit einer Analyse Ihrer Lieferkette, um Bereiche zu identifizieren, in denen Transparenz fehlt. Dies könnte bei kritischen Rohstoffen oder in komplexen Lieferantenbeziehungen der Fall sein. Eine detaillierte Anforderungsanalyse hilft, technische Fragen wie Skalierbarkeit, Interoperabilität mit bestehenden ERP-Systemen und die erforderliche Aktualisierungsfrequenz der Daten zu klären.
Berücksichtigen Sie dabei, welche Daten geschützt werden müssen, und setzen Sie auf Technologien wie Zero-Knowledge Proofs oder Viewing Keys, um sensible Informationen zu sichern. Gleichzeitig sollten die Zugriffsrechte und die Validierungsmechanismen festgelegt werden: Wer darf auf die Daten zugreifen? Wer überprüft sie? Wie werden Kosten und Nutzen zwischen den Partnern verteilt? Testen Sie Ihre Ansätze zunächst in einem Pilotprojekt, z. B. mit einer einzelnen Produktlinie oder wenigen Schlüsselzulieferern, bevor Sie größere Investitionen tätigen.
Sobald die Analyse abgeschlossen ist, können Sie die passende technische Infrastruktur auswählen.
Schritt 2: Technische Integration
Für die Umsetzung benötigen Sie eine geeignete Blockchain-Plattform. Plattformen wie Hyperledger Fabric eignen sich für Netzwerke mit hohen Datenschutzanforderungen, während Secret Network verschlüsselte Smart Contracts für besonders sensible Daten bereitstellt. Die Integration erfolgt über APIs und Schnittstellen, die Blockchain-Lösungen mit IoT-Geräten und bestehenden Systemen verbinden.
Ein wichtiger Schritt ist die Standardisierung der Daten. Tools wie die Asset Administration Shell (AAS) schaffen ein maschinenlesbares Modell, das CO2-Daten in strukturierte „Submodels" unterteilt und so Interoperabilität ermöglicht. Low-Code-Plattformen können die Integration erleichtern, indem sie industrielle Automatisierungssysteme mit Blockchain-Backends verbinden. Zudem können Smart Contracts den MRV-Prozess (Monitoring, Reporting, Verification) automatisieren, indem sie Emissionsberechnungen direkt im Code hinterlegen.
Mit der technischen Basis steht der Weg für eine Skalierung der Lösung offen.
Schritt 3: Skalierung und Optimierung
Nach einer erfolgreichen Pilotphase können Sie das System auf Multi-Tier-Lieferanten und Scope-3-Emissionen ausweiten. Der Einsatz von Konsortium-Blockchains ermöglicht eine gemeinsame Kostenverteilung und automatisiert das Management von Treibhausgasen über das gesamte Partnernetzwerk hinweg. Edge Computing spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem Blockchain-Knoten direkt auf Edge-Geräten installiert werden, um Emissionsdaten in Echtzeit zu erfassen.
Für eine reibungslose Skalierung sollten Sie auf automatisierte Datenerfassung setzen – IoT-Sensoren und KI können manuelle Eingaben ersetzen. Mit Viewing Keys können Sie bestimmten Stakeholdern, wie z. B. Auditoren, gezielten Zugriff auf verschlüsselte CO2-Daten gewähren, ohne diese im gesamten Netzwerk offenzulegen. Die Tokenisierung von Produkten oder Carbon Credits erleichtert das Nachverfolgen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Passen Sie Ihre technische Architektur an globale Standards wie den EU Green Deal oder die Non-Financial Reporting Directive (NFRD) an, um langfristig auf der sicheren Seite zu sein.
Herausforderungen und Lösungen
Skalierbarkeit und Systeminteroperabilität sicherstellen
Eine der größten technischen Herausforderungen liegt in der Bewältigung der enormen Datenmengen, die globale Lieferketten generieren. Bei komplexen Produkten wie Automobilen, die aus über 2.000 Einzelteilen bestehen, bringt jedes Bauteil eigene Emissionsdaten mit. Um diese Daten effizient zu verarbeiten, bieten sich konsortium-basierte Ansätze und Edge Computing an. Diese Technologien ermöglichen eine dezentrale Vorverarbeitung direkt vor Ort, was insbesondere bei komplexen Produkten von Vorteil ist. Blockchain-Knoten können direkt in industrielle Geräte integriert werden, wodurch Daten lokal verarbeitet und anschließend ins Hauptnetzwerk eingespeist werden.
Ein weiteres Problem ist die Interoperabilität zwischen den unterschiedlichen Systemen der Partnerunternehmen. Oftmals kommen verschiedene Protokolle und ältere Systeme (Legacy-Systeme) zum Einsatz, was den Datenaustausch erschwert. Standardisierte Datenmodelle können hier Abhilfe schaffen. Ein wichtiger Meilenstein ist die EU-Vorgabe, dass ab 2027 digitale Produktpässe (DPPs) für Automobil- und Industriebatterien verpflichtend werden. Dies wird die Einführung einheitlicher Standards weiter vorantreiben.
Durch diese technischen Lösungen lassen sich auch strenge Datenschutzanforderungen besser umsetzen.
GDPR-Konformität und Datenschutz gewährleisten
Die Transparenz, die für Blockchains charakteristisch ist, birgt das Risiko, sensible Geschäftsdaten offenzulegen. Hier kommen Zero-Knowledge Proofs (ZKP) ins Spiel. Diese Technologie ermöglicht es, die Korrektheit von Emissionsberechnungen zu bestätigen, ohne dabei die zugrunde liegenden Rohdaten preiszugeben.
„VCA leverages authenticity and zero-knowledge proofs in service-oriented architectures for creating non-disclosing emission reports that are peer-to-peer verifiable on blockchains." – Heiss et al., Institut für Informationssysteme und Quantitative Methoden
Für besonders schützenswerte Daten bietet sich Attribute-Based Encryption (ABE) an. Diese Methode erlaubt einen feingranularen Zugriff, sodass nur autorisierte Stakeholder mit spezifischen Berechtigungen bestimmte Daten einsehen können. Ergänzend dazu kann die Off-Chain-Speicherung genutzt werden, um das GDPR-Recht auf Datenlöschung umzusetzen. In diesem Fall werden sensible Informationen in externen „Data Vaults“ gespeichert, während lediglich kryptografische Fingerabdrücke (Hashes) in der Blockchain verbleiben.
Lieferkettenpartner einbinden
Neben technischen und datenschutzrechtlichen Aspekten ist die aktive Einbindung aller Partner in der Lieferkette entscheidend. Oftmals stehen Zulieferer der Teilnahme skeptisch gegenüber, sei es aufgrund unklarer Vorteile oder Bedenken hinsichtlich der Datensouveränität. Der NAO-Ansatz (Network Administrative Organization) hat sich hier bewährt. Eine zentrale Broker-Organisation übernimmt die Koordination, während Entscheidungen demokratisch durch Gremien und Arbeitsgruppen getroffen werden. Dies sorgt für ein Gleichgewicht und verhindert, dass ein dominantes Unternehmen die Kontrolle übernimmt.
Zusätzlich reduziert die automatisierte Datenerfassung durch IoT- und RFID-Technologien den administrativen Aufwand und minimiert Fehler bei der Dateneingabe. Viewing Keys ermöglichen einen gezielten und sicheren Zugriff auf Daten, etwa für Auditoren oder Kunden. Ein weiterer Anreiz für die Teilnahme sind Marktprämien: Verifizierte CO₂-Daten können höhere Preise für nachhaltige Produkte erzielen.
Eine gemeinsame, vertrauenswürdige Datenplattform stärkt das gesamte Netzwerk der Lieferkette und schafft Mehrwert für alle Beteiligten.
Zukunftstrends und Best Practices
Neue Trends bei der Integration von Blockchain und KI
Die Kombination von Blockchain und künstlicher Intelligenz (KI) eröffnet neue Möglichkeiten, um CO₂-Emissionen präziser zu erfassen und zu steuern. KI-Systeme analysieren die in der Blockchain gespeicherten Daten und können dadurch Störungen in der Lieferkette, wie Transportverzögerungen oder Qualitätsprobleme, mit 30 % höherer Genauigkeit vorhersagen als herkömmliche Methoden. Diese prädiktiven Analysen ermöglichen es, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um den CO₂-Fußabdruck gezielt zu reduzieren.
Ein weiterer Trend sind Digital Twins – virtuelle Abbilder physischer Systeme. In Kombination mit Blockchain-Technologie bieten sie eine Echtzeit-Überwachung von Produktionsprozessen und ermöglichen eine präzise Emissionsberechnung auf Produktebene. Regulierungen wie die EU-Vorgaben zu digitalen Produktpässen treiben die Verbreitung dieser Technologie zusätzlich voran. Außerdem gewinnt die Tokenisierung an Bedeutung, da sie den digitalen Handel mit CO₂-Zertifikaten ermöglicht. Prognosen zufolge wird die freiwillige Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten bis 2030 auf das 15-Fache des Niveaus von 2020 steigen.
Best Practices für die Umsetzung
Um diese Trends effektiv zu nutzen, sind klare Best Practices entscheidend. Ein zentraler Punkt ist die Standardisierung der Datenerfassung. Globale Standards wie die InterWork Alliance (IWA) für CO₂-Token oder die Asset Administration Shell (AAS) für Digital Twins sorgen dafür, dass unterschiedliche Systeme reibungslos miteinander kommunizieren können.
Ein praktisches Beispiel ist das Open-Source-Tool „ForestGuard“, das am 31. Januar 2025 vom Fraunhofer IML in Zusammenarbeit mit der REWE Group und Schirmer Kaffee GmbH veröffentlicht wurde. Dieses Tool ermöglicht es Kaffee-Lieferanten, mithilfe von Geodaten und Chargen-Tracking einen unveränderlichen Nachweis für entwaldungsfreie Lieferketten zu erbringen – eine zentrale Anforderung der EU-Verordnung Nr. 1115/2023. Ein weiteres Beispiel ist das „DUH-IT“-Projekt, das von März 2024 bis Februar 2027 läuft und mit rund 2 Millionen Euro gefördert wird. Hier wird ein Blockchain-basierter „Wasserstoff-Produktpass“ entwickelt, der die lückenlose Dokumentation von grünem Wasserstoff von der Stromerzeugung bis zur industriellen Nutzung ermöglicht.
Wie makematiq die Blockchain-Implementierung unterstützt
Die Einführung von Blockchain-Systemen erfordert nicht nur technisches Fachwissen, sondern auch eine klare Strategie und organisatorische Anpassungen. makematiq unterstützt Unternehmen dabei mit einem umfassenden Ansatz: Von der Modernisierung der IT-Architektur über die Integration von KI und Automatisierung, die Cloud-Migration bis hin zum Aufbau von Data-Governance-Strukturen. Besonders wichtig ist das Change Management, um alle Beteiligten – von der IT-Abteilung bis zur Geschäftsführung – einzubinden und Akzeptanz für die neue Technologie zu schaffen.
Durch Workshops, Prototyping und individuell angepasste Roadmaps hilft makematiq Unternehmen, Blockchain-Projekte nicht nur technisch umzusetzen, sondern auch nachhaltige Ergebnisse in Bezug auf CO₂-Transparenz zu erzielen. Diese strategische Unterstützung ergänzt die zuvor beschriebenen technischen und organisatorischen Maßnahmen und sorgt für eine ganzheitliche Umsetzung.
Fazit
Wichtige Erkenntnisse
Die Blockchain-Technologie bildet eine fälschungssichere Basis für mehr CO₂-Transparenz in Lieferketten. Dank der dezentralen Datenverwaltung bleiben Integrität und Nachvollziehbarkeit erhalten – essenziell für zuverlässige ESG-Berichte. Die Kombination mit IoT und Smart Contracts ermöglicht eine automatisierte Erfassung von Emissionen, reduziert Fehler und spart Zeit.
„Blockchain-Technologie bietet eine effektive Lösung für viele dieser Herausforderungen, da ihre dezentralen und manipulationssicheren Datenverwaltungssysteme die Genauigkeit, Transparenz und Zuverlässigkeit der ESG-Berichterstattung verbessern." – Eid M Alotaibi, School of Business Administration, American University of Sharjah
Ein großer Vorteil der Technologie ist die detaillierte Verfolgung von CO₂-Emissionen, selbst in komplexen, mehrstufigen Lieferketten. Das ist entscheidend, da etwa 80 % des CO₂-Fußabdrucks eines Produkts in der Lieferkette und nicht im eigenen Betrieb entstehen. Digital Product Passports helfen zudem, regulatorische Vorgaben einzuhalten.
Diese Punkte verdeutlichen, wie wichtig es ist, Blockchain-Lösungen in die Lieferkette zu integrieren.
Nächste Schritte
Die Einführung von Blockchain sollte gut geplant erfolgen: Starten Sie mit der Identifikation relevanter Anwendungsfälle, setzen Sie Pilotprojekte um und verknüpfen Sie bestehende IT-Systeme. Ein sinnvoller Einstieg könnte die Nachverfolgung einer einzelnen Produktlinie sein, bevor Sie die Lösung auf die gesamte Lieferkette ausweiten.
makematiq begleitet Sie bei jedem Schritt dieses Prozesses. Von der Modernisierung Ihrer IT-Architektur über die Integration von KI und Automatisierung bis hin zu Change-Management-Maßnahmen – wir bieten Ihnen umfassende Unterstützung. Mit Workshops, Prototyping und maßgeschneiderten Roadmaps sorgen wir dafür, dass Ihre Blockchain-Projekte nicht nur technisch erfolgreich sind, sondern auch greifbare Ergebnisse in Sachen CO₂-Transparenz liefern. Kontaktieren Sie uns und starten Sie Ihre digitale Transformation noch heute!
FAQs
Wie kann die Blockchain-Technologie die CO2-Transparenz in Lieferketten verbessern?
Die Blockchain-Technologie bietet eine Möglichkeit, CO2-Daten entlang der gesamten Lieferkette transparent und fälschungssicher zu erfassen. Jede Transaktion wird in einer chronologischen und unveränderbaren Form gespeichert, was sicherstellt, dass die Daten integer bleiben. Dadurch können Unternehmen ihre Emissionen in Echtzeit überwachen und sicher sein, dass die bereitgestellten Informationen zuverlässig und geschützt vor Manipulation sind.
Ein weiterer Vorteil ist der Einsatz von automatisierten Prozessen wie Smart Contracts. Diese können genutzt werden, um die Einhaltung von Standards zu gewährleisten und Daten unabhängig zu überprüfen. Technologien wie Zero-Knowledge-Proofs sorgen zusätzlich dafür, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt, ohne die Echtheit der Daten zu beeinträchtigen. Solche Ansätze bieten eine verlässliche Grundlage für eine nachhaltige Steuerung und Berichterstattung innerhalb von Lieferketten.
Wie unterstützen IoT-Sensoren und Smart Contracts die CO2-Transparenz in Lieferketten?
IoT-Sensoren spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, CO2-Emissionen entlang der Lieferkette genauer zu überwachen. Diese Sensoren erfassen kontinuierlich Echtzeitdaten wie Energieverbrauch, Emissionen oder andere Umweltfaktoren. Die gesammelten Informationen werden manipulationssicher in der Blockchain gespeichert, was Unternehmen eine verlässliche Grundlage für die Überwachung und Berichterstattung ihrer CO2-Bilanz bietet.
Smart Contracts ergänzen diese Technologie, indem sie automatisierte Prozesse auf der Blockchain ermöglichen. Beispielsweise können sie automatisch Maßnahmen einleiten, wenn IoT-Sensoren feststellen, dass bestimmte Emissionsgrenzen überschritten wurden. Ebenso können sie Berichte erstellen, ohne dass manuelle Eingriffe nötig sind.
Die Kombination dieser Technologien schafft eine Grundlage für eine präzise und transparente CO2-Bilanzierung. So können Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele effizienter verfolgen und gleichzeitig ihre Prozesse optimieren.
Welche Hindernisse gibt es bei der Einführung von Blockchain für mehr CO2-Transparenz in Lieferketten?
Die Einführung der Blockchain-Technologie in Lieferketten zur Verbesserung der CO2-Transparenz bringt einige komplexe Hürden mit sich. Eine der größten Herausforderungen ist die notwendige Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Unternehmen. Da die Blockchain in einem Netzwerk von Teilnehmern implementiert wird, sind Vertrauen und eine präzise Abstimmung entscheidend. Ohne diese Kooperation bleibt das volle Potenzial der Technologie ungenutzt.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Umgang mit sensiblen Geschäftsdaten. Unternehmen könnten zögern, vertrauliche Informationen auf einer Blockchain zu teilen, da dies potenziell Wettbewerbern Einblicke gewähren könnte. Hier entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Transparenz und der Notwendigkeit, Geschäftsgeheimnisse zu schützen.
Zusätzlich gibt es die strategische Herausforderung, die richtige Balance zwischen zentraler Steuerung und dezentraler Kontrolle zu finden. Nur durch eine durchdachte Herangehensweise lässt sich der tatsächliche Nutzen der Blockchain-Technologie in diesem Kontext realisieren.


